Beruf: Fotograf

‚Machst du das auch kostenlos?‘

Rügen Langzeitbelichtung Binz

Zugegeben, mein Antrieb für die Boudoir-Fotografie besteht aus Motivation, Faszination und Leidenschaft und nicht aus finanziellem Gewinn.

Leider kann ich mit diesem Trio aus Motivation, Faszination und Leidenschaft weder die Versicherung oder laufende Kosten decken, geschweigen denn, an der Tankstelle bezahlen.
Eigentlich wollte ich es still schweigend aussitzen. Nachdem sich in letzter Zeit aber Anfragen nach folgendem Schema häufen, wollt
ich dann doch mal was dazu sagen:
‚Du machst wirklich schöne Bilder! [Danke!]…Machst du das auch kostenlos??[Oh man…]‘
Wichtigste Frage vorweg: Wenn meine Bilder so gefallen, warum ist es dann so schwer, dafür einen (vergleichsweise) geringen Betrag zu zahlen?
Leider ist diese Kostenlos-Mentalität in der Fotografie enorm verbreitet, weil sich nur wenige die Gedanken machen, was hinter einem Foto steht. Denn neben Motivation, Faszination und Leidenschaft, sind da eben noch laufende Kosten…:

  • Versicherung (Equipment, Haftpflicht, etc.)
  • Ersatz/Neuanschaffung (Defekte Speicherkarten, Akkus, Batterien, etc.)
  • Tankfüllungen für das Auto mit dem man zu den Shootings kommen muss (Zzgl. Verschleißteile)
  • weitere ‚Abgaben‘ (Steuern, Handwerkskammer, Website und und und)

…und viel Zeit:

  • Vorgespräch in dem ich ‚ohne wenn und aber‘ Rede und Antwort stehe (1-2h)
  • Anfahrt/Abfahrt zum Shooting (1h)
  • Shootingzeit (3-4h)
  • Bildauswahl/Sortierung (1h)
  • Bilder bearbeiten (2-3h)
  • und, und, und….

Das heißt im ungünstigsten Fall habe ich bei einem normalen Shooting (65 Euro) einen Stundenlohn von ca. 7 Euro (Tankfüllung, laufenden Kosten nicht eingerechnet). Für das Geld würde manch einer nicht mal aus dem Bett aufstehen!

Und wenn eine Fotograf noch zusätzlich ein Studio und seinen Lebensunterhalt finanzieren soll…wie soll das gehen?

Anke-Oktober2012-021

Ich find das alles extrem schade. Klar mach ich sehr sehr gern Boudoir-Shootings, weil es Menschen glücklich macht und somit auch mich. Wenn dann aber immer nur Anfragen kommen „Ich würd gern n Shooting machen, geht das auch kostenlos?“, dann knickt mich das ehrlich gesagt, weil ich merke, das sich da jemand keinen Gedanken macht, was alles hinter einem Shooting steht. Das ist nicht nur das plumpe Auslöserdrücken…’die Kamera wirds schon machen’…NEIN!

Der Artikel bedeutet nicht, das ich keine kostenlosen Shootings machen werde, doch wenn ihr ein kostenloses Shooting wollt, dann sollten zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Ich darf einige der Bilder aus dem Shooting für meine Website/Facebook verwenden
  • Du hast ne absolute Knaller-Idee und/oder ne wirklich starke Location

Vielleicht hilft der Artikel ja, mal ein bisschen aufzuklären.

Dieser Artikel ist zuerst in meine Blog auf www.Boudoir-foto.de erschienen –> zum ursprünglichen Artikel
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2 comments

  1. Cathy 25 Januar, 2017 at 11:56 Antworten

    Ach, das altbekannte, leidige Thema.
    Als Gestalter wird man damit auch immer wieder konfrontiert.
    Wem es das wert ist, der gibt auch gern was dafür, alle anderen sind vielleicht einfach nicht die richtigen Motive/Kunden.
    Und meistens sind diese Leute mit der Gegenfrage „Würdest du deine Arbeit denn für umsonst machen?“ sowieso ruhig gestellt. Denn das würde wohl kaum einer.
    Ja, wir haben das Glück, dass wir unser Hobby zum Beruf machen konnten, aber wie du schon sagst: Versicherung, Miete, etc. zahlt sich nicht von allein und nur weil wir es gerne machen, bedeutet das ja nicht, dass wir es umsonst machen müssen und möchten.

  2. marv 26 August, 2014 at 17:09 Antworten

    Heyho,

    zuerst möchte ich kurz loswerden, dass ich heute durch Zufall über deine Seite gestolpert und sehr begeistert bin, sowohl von deinen Bildern als auch von deinem Blog.

    Auch diesen Artikel fand ich sehr interessant, habe das auch von anderen schon oft gehört / gelesen. Eine Sache will mir aber nicht so richtig in den Kopf. Bitte versteh mich nicht falsch ich stimme dir absolut zu, aber:

    Warum knickt es dich, dass sich Nicht-Fotografen wenig Gedanken darüber machen was eigentlich hinter einem Shooting steckt? Ich meine, dass ist ganz normal, dass interessiert die Leute nicht und im Normalfall können oder wollen die das auch gar nicht wissen.

    Ich weiss auch nicht genau was es für eine Arbeit war das Brot zu backen welches ich beim Bäcker kaufe und ich weiss auch nicht wieviel Arbeit es war das Auto in dem ich fahre zusammenzubasteln inkl. Entwicklung, Tests und und und.

    Eines ist den oben genannten Beispielen aber gemein: Ich würde niemals auf die Idee kommen den Bäcker zu fragen ob ich heute das Brot mal umsonst mitnehmen darf. Und genau in diesem Punkt gebe ich dir 100% recht. Fotos kosten Geld!

    Aber lass dich bitte nicht davon runterziehen, dass sich Menschen keine Gedanken darüber machen wieviel Arbeit du in ein einzelnes Foto investierst. Den Außenstehenden interessiert das schlichtweg einfach nicht.

    Du musst dich einfach immer wieder neu erklären und den Leuten klar machen, was dahinter steckt. Nur mit Aufklärung und hunderten Wiederholungen wirst du ein Verständnis dafür schaffen. Und nach deiner Auflistung oben wird hoffentlich auch niemand mehr auf die Idee kommen, dass Fotos kein Geld kosten.

    Viele Grüße
    marv

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