Beruf: Fotograf

LichtKultur fragt…Hochzeitsfotograf Michael Fiukowski

interviewMF

Der zweite Teil von „LichtKultur fragt…“ ist vielleicht für diejenigen unter euch interessant, die mit dem Gedanken spielen in Zukunft Hochzeiten zu fotografieren: Michael Fiukowski fotografiert seit 6 Jahren und machte sich in diesem Jahr selbständig. Mittlerweile liegt sein Hauptaugenmerk auf der Hochzeitsreportage. Zu dieser “Königsdisziplin” wird sich Michael einigen Fragen stellen.

Michael Fiukowski Photography - 678Grüß dich Michael! Wichtigste Frage: Was hat überhaupt dazu geführt als Hochzeitsfotograf zu agieren?

Ich habe damals angefangen für das Blixxmag Fotos [Szenemagazin in der Altmark – Anmerk.] zu machen.
Na auf jeden Fall hatte mich Heiko Janowski dann gefragt, ob ich ihn nicht mal mit nach Berlin begleiten will auf Hochzeiten. Er fand meine Bilder anscheinend gut genug, dass ich ihn dahin begleiten durfte.
Die nächsten Hochzeiten waren dann dadurch, dass ich durch Verwandte angestellt wurde.

Anders formuliert: Was genau ist deine Motivation, Hochzeiten zu fotografieren?

Meine Motivation, Hochzeiten zu fotografieren, liegt darin, dass es für das Paar der wohl schönste Tag ihres Lebens ist. Das überträgt sich auch auf die Verwandtschaft und besonders auf mich – Ich gehe da immer sehr emotional ran. Ich laufe die ganze Zeit mit einem Grinsen durch die Gegend, weil diese Stimmung bei einer Hochzeit zwar auch von zeitlichem Stress geprägt ist, aber auch von dem Gefühl von Zusammensein und Freude.

Was besseres kann es für mich nicht geben. Man kann das Paar von Frühs an begleiten. Man hat exklusive Einblicke und darf die Braut früher im Kleid sehen, als der Bräutigam 😉

Man kann sich auf der Veranstaltung Duzen, weil es total entspannt ist. Leute mit Kameras kommen auf einen zu und man kommt ins Gespräch, wenn es um das Fotografieren geht. Bis jetzt waren wirklich alle Paare begeistert und mochten meine Art. Ich finde, wenn man als Fotograf schon ein positives Gefühl mit in die Hochzeit nimmt, bekommt man dadurch bessere Fotos, weil Leute mit einem besser interagieren, sie öfter mit einem Lächeln in die Kamera schauen – einfach weil sie sehen, dass man mit Freude & Herzblut dabei ist.

Es gibt aber auch die fest eingesessenen Fotografen, für die das zur Arbeit geworden ist. Sprich: schnell hinfahren, Standesamtfotos machen, Brautpaarfotos und wieder los fahren. Abgehakt. Dementsprechend, so sehe ich das, sehen dann auch die Fotos aus. Einfach unambitioniert.

Wie bereitest du dich eigentlich auf eine Hochzeitsreportage vor?

Da jede Hochzeit von den Menschen und den äußeren Bedingungen(Festort, Anzahl der Gäste, Wetteraussichten, etc..) her individuell ist, lässt es sich meist schwer sagen, wie man sich darauf vorbereiten kann, da man sowieso meist einen Plan B braucht.

Man muss sich auf alle Fälle technisch vorbereiten. Alle Akkus müssen voll sein, Frontlinsen sauber & Speicherkarten müssen formatiert sein. Sprich: Rundum-Sorglos-Check des Equipments sind das A&O.

Aber wie schaut es an dem Tag mit der Motivwahl aus? Hast du Bildideen die du erst einmal “abarbeitest” oder kommt die Inspiration vor Ort?

Von den Motiven und Bildern her lasse ich mich einfach von der Stimmung leiten und achte im Unterbewusstsein auf irgendwelche Aktionen, die neben dem Hauptsächlichen ablaufen. Sprich, wenn gerade Sekt getrunken wird beim Empfang, ob die Kinder herumtollen und miteinander spielen oder sonst irgendwas passiert, was man fotografisch festhalten möchte und für schöne Bilder auch muss. Ich lasse mich vom Tag treiben und gehe meiner Intuition nach.
Manche Sachen muss man an diesem Tag aber einfach „abarbeiten“. Dazu gehören nun mal die Paar,- Gruppen,- und Familienfotos. Diese stellen aber je nach Länge meines Aufenthaltes auf einer Hochzeit nicht mal die Hälfte da, worum es mir eher geht. Das ganze Geschehen drum herum und die Magie des Tages festzuhalten.

Auch wenn ich keinen Assistenzfotografen habe, so liegt meine Wichtung doch mehr auf die Reportage. Weil hier unterscheidet man sich als Fotograf auch von den anderen aus der Region. Paarfotos können alle. Wer sich aber auf was genau konzentriert und das noch auf seine eigene Art festhält. Darauf kommt es meiner Meinung nach an.

Und wie gehst du mit der großen Verantwortung um, schließlich hängt fototechnisch an diesem Tag alles von dir ab?

Die Verantwortung ist natürlich groß, da von einem natürlich tolle Bilder verlangt werden. Da ich aber nach gewissen Anzahlen an Hochzeiten so langsam meine Routine in Sachen Konzentriertheit & innerer Ruhe bekommen habe, kann ich auch lockerer werden und mich schneller auf unplanmäßige Dinge einstellen.

Hat man nach der Hochzeit in der Regel noch Kontakt zum Brautpaar oder endet das Arrangement mit der Übergabe der Bilder?

Natürlich kann man nicht ewig lange zu den Paaren Kontakt halten, weil es dann doch in der Zeit immer mehr werden. Man müsste eine Abteilung für Kundenbindung aufmachen. Dennoch halte ich auch nach der Übergabe möglichst Kontakt und frage nach, wie zum Beispiel die Hochzeit noch war und wie die Flitterwochen waren. Ob sie mit meiner Arbeit zufrieden waren, etc. Das meist per Telefon oder aber per E-Mail.

Wie wichtig ist Mund-zu-Mund-Propaganda in deinem Metier?

Bis jetzt läuft halt alles noch über Mund-zu-Mund-Propaganda, was für mich auch das Gewichtigste in diesem “Dienstleistungssektor” ist. Die Bilder können noch so gut sein. Wenn es sich rumspricht, dass man als Fotograf keine Beziehung zu den Leuten aufbaut und es einfach nur als Arbeit abtut, wird man höchstwahrscheinlich keine weiterempfehlung bekommen. Genauso ist es aber auch, wenn man zu lachs auftritt und ungepflegt zur Hochzeit kommt. Wer möchte schon einen Freiberufler haben, der am Freitag noch ordentlich auf Partytour war und mit einer strammen Fahne am Hochzeitsaltar steht.

Legst du bei deiner Arbeit Wert auf viele Details oder willst du ein möglichst komplettes Gesamtbild darstellen oder ist es ne Mischung?

Ja also es ist eine Mischung. Ich sage mal 65% Details, 35% Gesamteindruck. Ich fotografiere auch liebend gerne mit dem 50mm/1.8 von Canon.

Abschließend: Was würdest du einem Einsteiger im Bereich Hochzeitsreportage raten. Also wie sollten die ersten Schritte aussehen? Was sollte man anfangs immer beachten?

Wichtig ist es immer mit den Personen vor der Hochzeit Absprache zu halten, die im Mittelpunkt stehen: Dem Ehepaar.
Ich sehe es als unablässig an, immer vorher ein persönliches Treffen zu vereinbaren.
Hier ist auch der Vorteil, dass man eine gewisse Beziehung zum Paar aufbauen kann, damit sie sich lockerer vor der Kamera geben können. Wobei das natürlich immer variiert.

Man kann dann häufig einen Ablaufplan einsehen, was wann kommt und kann sich darauf einstellen, wie viel Zeit man hat (zum Beispiel für das Gruppenfoto oder für das Brautpaar). Wenn nämlich nur 1 Stunde Zeit für die Paarfotos sind und danach “Kaffee&Kuchen” angesetzt ist, kann man sich auch nicht mehr Zeit lassen.

Man sollte deswegen schon genau wissen, was man machen möchte und nicht erst noch lange suchen.Das macht sonst auch keinen guten Eindruck.

Wichtig ist auch mit dem Standesbeamten oder der Standesbeamtin vorher abzusprechen, inwiefern man fotografieren darf. Ob man

sich frei bewegen darf, den Blitz nutzen kann oder bei einigen Passagen in der Rede gar nicht fotografiert werden sollte. Das gleiche gilt für die Kirche. Hier ist das meist noch etwas strenger. Viele Kameras verfügen aber heutzutage schon über einen Silent-Mode, wo der Spiegel nicht mehr ganz so brachial hochklappt (wie das bspw. bei der 5D der Fall ist).

Ein kleiner Tipp noch nebenbei: Die Hochzeitsgäste oder am besten den DJ/Alleinunterhalter fragen, ob irgendein Programm von den Gästen geplant ist. Der DJ weiß eigentlich immer Bescheid, weil er dabei die Musik pausieren muss und das Mikro übergibt. Dann kann man sich darauf einstellen. Nicht, dass man dann gerade eine Toilettenpause macht.

Ansonsten Visitenkarten immer dabei haben.

Aber wie bekommt man am besten den grundsätzlichen „Fuß in die Tür“? Einfach mal auf einer Hochzeit fotografieren, mit einem Hochzeitsfotografen mitlaufen?

Na man fängt nicht gleich an und sagt: “Hier ich will 1.000€ haben, aber nebenbei bemerkt, ich mach das heute zum ersten Mal.” Am besten ist es, sich einen freien Fotografen zu suchen und zu assistieren. Alternativ jemanden aus der Verwandtschaft/dem Bekanntenkreis fragen, wenn jemand heiratet und dann dort anfangen. Du musst natürlich schon deinen Stil haben, wenn du noch nie fotografiert hast und dir morgen eine Kamera kaufst und ein Programm zur Bildbearbeitung, kannst du nicht gleich sowas machen. Man muss erst mal seinen Weg finden und erst dann kann man sich profilieren.

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